Unsere Partnergemeinde


Reinsdorf / Greiz (Thüringen)

Reinsdorf (350 Einwohner) mit den beiden Ortsteilen Reinsdorf und Waltersdorf und die Stadt Widdern (1.950 Einwohner) haben seit Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts Verbindungen miteinander, zunächst nur zwischen den Familien der jeweiligen Pfarrern der evangelischen Kirchengemeinden, seit 1978 aber auch zwischen den Gemeindegliedern. Nach dem Fall der Mauer wurde diese Partnerschaft 1990 auf die bürgerlichen Gemeinden ausgedehnt.
Mit der Eingemeindung von Reinsdorf in die Stadt Greiz (30.000 EW) im Jahr 1994 fiel die Grundlage zur Hilfe und Zusammenarbeit zwischen den Kommunalverwaltungen weg. Trotzdem wird die Partnerschaft durch gegenseitige Gemeindebesuche im zweijährigen Rhythmus und durch zahlreiche persönliche Kontakte zwischen den Menschen beider Gemeinden aufrecht erhalten.

Entwicklungsgeschichte der Partnerschaft


Anfang 50er Jahre
Die Kirchen im Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands vermitteln zu den Landeskirchen in der DDR Partnerkirchen in der BRD. Der Landeskirche Württemberg wird die Landeskirche Thüringen zugeteilt.
Wie Reinsdorf zu Widdern vermittelt wurde, ist nicht bekannt. Pfarrer Otto Witt, Pfarrer in Widdern ab 1948, stellt mit Freude fest, dass sein Kollege Eberhart Albrecht, Pfarrer in Reinsdorf von 1949 bis 1957, mit ihm gemeinsam am theologischen Seminar in Tübingen studiert hatte. Seine Frau Inge Witt wird Patin eines der Kinder vom Ehepaar Albrecht. Zu einem Besuch kam es durch die politischen Verhältnisse nicht.

Über das Verhältnis zwischen den Gemeinden unter Pfarrer Butz (Widdern) ist nichts bekannt. Unter Pfarrer Pischel (Reinsdorf) ist das Verhältnis ziemlich abgekühlt und nur noch sporadisch vorhanden.

1973
Einsetzung von Pfarrer Niels Hueck (Widdern) im November

1976
Einsetzung von Pfarrer Helmut Warmuth (Reinsdorf) im März am Sonntag Lätare

1977
In einem Brief vom 9. Januar an seinen Kollegen in Reinsdorf schlägt Pfarrer Hueck vor,
das "Schiff wieder flott zu machen".

1978
Im Sommer erster Besuch von Pfarrer Hueck in Reinsdorf // Predigt von Pfr. Hueck in der
Dreifaltigkeitskirche Reinsdorf (Predigten von westdeutschen Pfarrer in ostdeutschen Kirchen
war damals verboten) // Man vereinbart, nicht nur wie bisher Verbindungen zwischen den
Pfarrerfamilien zu halten, sondern die Gemeindeglieder mit einzubinden. Es sollen Familienpartnerschaften
entstehen. Die Verbindungen werden ähnlich wie bei einer Eheanbahnung über Briefe gesucht
(z. B. Frau, 53 Jahre, liest gerne Reiseberichte, ..).

1981
Walter Frühauf und Paul Müller aus Reinsdorf besuchen im November Widdern zum
Festgottesdienst nach Fertigstellung der Innenrenovierung der Laurentiuskirche.

1983
Im August Besuch der Familien Niels & Dorothee Hueck, Gerhard & Ruth Vettermann,
Karl & Erika Schneck in Reinsdorf // Die Kirchgemeinde Reinsdorf erhält eine Motorsäge
für den Pfarrgarten und Blattgold für die Renovierung der Dreifaltigkeitskirche

1987
Besuch von Pfarrer Warmuth in Widdern am 30. August 1987 mit einer Predigt in der Laurentiuskirche
und einem Gemeindeabend im Pfarrhaus, bei dem er über das kirchliche Leben in der DDR berichtet.

1989
Fall der Mauer und Grenzöffnung am 9. November 1989

1989
Ein aus Hof organisierter Bus holt am 10. Dezember Reinsdorfer Gemeindeglieder zu ihrem ersten Besuch
nach Widdern // Gemeinsamer Dankgottesdienst am 2. Advent in der Laurentiuskirche

1990
Widdern in Reinsdorf am 19.-20. Mai // Gemeinsame Sitzung der Gemeinderäte Widdern und Reinsdorf
mit einem Beschluss über die Partnerschaft der bürgerlichen Gemeinden.

Am 29. September unterzeichnen die beiden Bürgermeister Wilhelm Frey (Widdern) und
Werner Hoffmann (Reinsdorf) die Partnerschaftsurkunde und pflanzen gemeinsam eine
Linde der Freundschaft vor der Wilhelm-Frey-Halle in Widdern. Die Urkunde hat folgenden Text:

Geleitet von der Hoffnung und dem Willen auf eine gemeinsame friedliche und blühende Zukunft
aller Menschen in einem vereinten Deutschland gründen die Stadt Widdern und die Gemeinde
Reinsdorf am heutigen Tage eine Partnerschaft.

Möge diese Partnerschaft für beide Gemeinden, der freien Selbstbestimmung ihrer
Bürgerinnen und Bürgern entsprechend, die Grundlage für eine feste, dauerhafte und
aufrichtige Freundschaft in einer europäischen Friedensordnung sein und dazu beitragen,
dass uns für alle Zeit Frieden und Freiheit erhalten bleiben.

1991
Pensionierung von Pfarrer Nils Hueck (Widdern)

1992
Besuch es Stadtrates Widdern in Reinsdorf vom 25.-26. April

1992
Investitur von Pfarrer Rainer Müller (Widdern) am 18. Oktober

1993
Besuch der Kirchgemeinde Reinsdorf in Widdern vom 24.-25. April und des
Gemeinderates Reinsdorf vom 28.-29. August

1994
Eingemeindung von Reinsdorf nach Greiz am 1. Juli // Volkmar Beck wird
Ortsbürgermeister (Reinsdorf)

1995
Amtsantritt von Bürgermeister Michael Friedrich Reinert (Widdern) am 3. August

1995
Besuch des Stadtrates Widdern in Reinsdorf vom 30. September bis
1. Oktober // Besichtigung von Greiz // Gemeinsamer Abend in der Salzmest unter Teilnahme
des Greizer Bürgermeisters Dr. Andreas Hemmann

1996
Besuch von Widdern in Reinsdorf vom 17.-19. Mai anläßlich der Glockenweihe von zwei Bronzeglocken
in der Dreifaltigkeitskirche // Begegnungsfest in der Halle von Werner Taubert.

1997
Besuch von Reinsdorf in Widdern vom 6.-8. Juni mit einer Schifffahrt auf dem Neckar
und Besichtigung von Heidelberg

1997
Beschluss der jeweiligen bürgerlichen und kirchlichen Gemeinderäte im November, die jeweiligen
Besuche gemeinsam und in einem zweijährigen Rhythmus durchzuführen.

1999
Besuch von Widdern in Reinsdorf vom 24.-29. September mit Besichtigung von Greiz,
der herrlichen Backsteinkirche in Mylau, der Göltschtalbrücke und einem gemütlichen Abend in Greiz-Obergrochlitz.

2000
Pensionierung von Pfarrer Helmut Warmuth (Reinsdorf) am 1. Februar

2001
Einführung von Pastorin Angelika Schön (Reinsdorf) am 16. Dezember

2002
Besuch von Reinsdorf in Widdern vom 14.-16. Juni mit Besichtigung von Rothenburg ob der Tauber
und Langenburg an der Jagst und einer Begegnungsfest in der Wilhelm-Frey-Halle.

Auch 12 Jahre nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten sind Partnerschaften
zwischen Ost und West nach wie vor notwendig. Früher dienten sie dazu, das Zusammen-
gehörigkeitsgefühl im gemeinsamen Vaterland zu erhalten, heute sind sie wichtig für das
gegenseitige Verständnis und das Zusammenwachsen auch im Geiste innerhalb Deutschlands.

16. - 18.06.2004

Besuch aus Widdern in Reinsdorf. In diesen warmen Tagen wurde die Baustelle zur Bundesgartenschau, die im Jahr 2007 in Ronnenburg stattfinden soll und das Uranerzbergwerk der Wismut besichtigt.


17. - 19.06.2005

Besuch der Reinsdörfer in Widdern. Besuch des naturkundlichen Schulhofs am Gymnasium Adelsheim im Landesschulzentrum für Umwelterziehung. Wanderung durch Seckach, Essen im Alten Schulhaus, Fahrt zur Tropfsteinhöhle Eberstadt.


18. - 20.05.2007

Im Mai 2007 war wieder ein Besuch unsererseits in unserer Partnergemeinde Reindsdorf geplant. Den Samstag verbrachte man auf der Bundesgartenschau in Gera und Ronnenburg.


Reinsdorf in Bildern

Reinsdorf 2005

Reinsdorf 2011

Bericht über den Besuch in der Partnergemeinde Reinsdorf vom 01.-03.07.2011

18 Personen aus Widdern und Unterkessach fuhren am ersten Juli-Wochenende mit nach Reinsdorf. Wir wurden verstärkt durch zwei Personen aus Jagsthausen. Eine so kleine Gruppe waren wir noch nie. Herzlichen Dank an alle, die mitgefahren sind.

Die Hinfahrt am Freitag stand nicht unter einem guten Stern. Schon vor Würzburg standen wir im Stau und kamen nur in sehr langsamem Tempo voran. Dann setzte vor Bamberg auch noch der Motor des Busses aus, den unser Busunternehmen Hettinger Reisen an diesem Wochenende wegen der Auftragsfülle hatte ausleihen müssen. Zufällig war der Besitzer des Busses mit einem Reparaturfahrzeug auf derselben Autobahn hinter uns unterwegs, so dass nach fünf Minuten Wartezeit ein Pkw, ein Werkstattfahrzeug, ein Lkw-Abschleppfahrzeug und ein Ersatzbus um uns herum auftauchten. Besorgte Autofahrer hatten zusätzlich noch die Polizei alarmiert und so gesellte sich kurz darauf noch das THW dazu. Die Reinsdorfer waren von uns per Telefon darüber informiert worden, dass wir später als geplant ankommen werden. Dort wurde schon eine Armada von Privatfahrzeugen zusammengestellt, die uns abholen sollte, damit wir nicht auf der Autobahn übernachten müssen. Unser Bus war aber schnell repariert und zu unser aller Leidwesen durften wir nicht in den nagelneuen Ersatzbus umsteigen. Nach sieben Stunden kamen wir noch bei Helligkeit um 21.00 Uhr in Reinsdorf an und verbrachten den Abend bei unseren Gastfamilien.

Am Samstag ging es am Spätvormittag los mit einer Besichtigung der Vereinsbrauerei Greiz. Zur Überraschung aller Gäste wartete im Hof der Brauerei auch unser designierter Bürgermeister Jürgen Olma, von dem Verwandtschaft in Reichenbach lebt, dem Nachbarort von Reinsdorf im Bundesland Sachsen. Er machte bis zur Abreise am Sonntag das Programm des Partnerschaftstreffens mit und lernte die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Reinsdorfer kennen.

Der ehemalige Braumeister Dr. Wächter führte durch die Brauerei und gab tiefe Einblicke in die Kunst des Brauens edler Biere. Die GREIZER Brauerei hat seit seiner Gründung 1872 eine bewegte Geschichte hinter sich, war Vereinsbrauerei, zu DDR-Zeiten volkseigener Betrieb (VEB) und nach der Wende Teil der Tucher Bräu AG und der Ersten Kulmbacher Aktienbrauerei AG. Seit 2001 ist sie eine Privatbrauerei. Sie produziert heute jährlich 70.000 Hektoliter Bier der obergärigen Sorten Pils, Export, Urbrau, Bock, Radler, Diät-Pils und die Neuschöpfung zur 800-Jahrfeier der Stadt Greiz, das süffige, malzige, halbdunkle Fürstengold. Beschäftigt sind in der Brauerei 32 Mitarbeiter.

Nach der Führung nahm man auf dem Brauereihof Platz und ließ sich die Roster und Steaks der Metzgerei Matthias Leucht schmecken. Dazu gab es Salate der Gastgeberinnen und Brötchen der Bäckerei Wolfgang Leucht und – natürlich – GREIZER Schlosspils und Fürstenbrau.

Das nächste Ziel war das Obere Schloss in Greiz. Nach einem Gläschen Sekt folgte ein Rundgang durch die neuen Museumsräume.

Während die Mitarbeiter des Museums den Gästen die Geschichte der Stadt und der Reußen als Vögte des Umlandes nahe brachten, dekorierten die Frauen des Reinsdorfer Kirchenchores die im Großen Fürstensaal aufgestellten Tische zu einer attraktiven Kaffeetafel und stellten die Platten mit den zwischenzeitlich berühmt-beliebten Reinsdorfer Kuchenwürfel auf. Das gemeinsame Kaffeetrinken im bezaubernden Ambiente des Fürstensaals wird als unvergessliches Erlebnis im Gedächtnis bleiben.

Als Abschluss des Nachmittags auf dem Oberen Schloss führte Frau Peters die Gesellschaft noch auf den Schlossturm 100 m über der Stadt, gab Erläuterungen zum restaurierten Uhrwerk der Turmuhr und zeigte uns den bei den Bauarbeiten gefundenen 55 m tiefen Brunnen des Schlosses.

Der Tag klang bei einem geselligen Abend in der Gaststätte „Zur Salzmest“ aus. Gastwirt Christian Taubert hatte zum Schlachtfest geladen und überraschte Gäste wie Gastgeber mit Fleisch und Wurst aus eigener Produktion.

Das erlebnisreiche Wochenende wurde am Sonntag mit einem Gottesdienst in der Reinsdorfer Kirche beendet. Der Chor wurde von Kirchenmusikdirektor Otte begleitet. Bürgermeister Michael Fr. Reinert bedankte sich herzlich für die Gastfreundschaft und das unterhaltsame Besuchsprogramm und hob lobend die seit dem letzten Besuch vor vier Jahren gestiegene Attraktivität der Stadt Greiz und Reinsdorfs hervor. Die Widderner freuen sich auf den Gegenbesuch in zwei Jahren.